Zweite Ausbildung: Finanzierung und Möglichkeiten Erklärt
Eine zweite Ausbildung ist längst keine Seltenheit mehr in Deutschland. Ob aus beruflicher Notwendigkeit, persönlicher Neuentwicklung oder aufgrund von Marktveränderungen – wir erleben immer mehr Menschen, die sich neu orientieren möchten. Doch die zentrale Frage bleibt: Wie finanziert man das Ganze? In diesem Artikel erklären wir dir transparent, welche Finanzierungsmöglichkeiten es gibt, wann eine zweite Ausbildung wirtschaftlich sinnvoll ist, und wie du die rechtlichen Anforderungen erfüllst. Unser Ziel ist es, dir eine verlässliche Orientierungshilfe zu bieten – ohne versteckte Haken oder unrealistische Versprechungen.
Wann Ist Eine Zweite Ausbildung Sinnvoll?
Bevor wir uns mit Finanzierungsfragen befassen, sollten wir klären, wann eine zweite Ausbildung überhaupt Sinn macht. Der Arbeitsmarkt ändert sich schneller denn je, und es gibt mehrere legitime Gründe, sich umorientieren zu wollen.
Wir sehen häufig, dass Menschen nach fünf bis zehn Jahren in ihrem ursprünglichen Beruf merken, dass dieser nicht zu ihnen passt. Vielleicht war die Berufswahl zu Beginn nicht vollständig durchdacht, oder die Branche hat sich so verändert, dass die Tätigkeit nicht mehr attraktiv ist. In solchen Fällen ist eine zweite Ausbildung oft die bessere Lösung als ein Jobwechsel ohne neue Qualifikationen.
Darüber hinaus gibt es wirtschaftliche Gründe: Manche Branchen sind sterbend, während andere boomen. Eine zweite Ausbildung ermöglicht dir, in zukunftssichere Bereiche zu wechseln. Hier solltest du folgende Faktoren überprüfen:
- Arbeitsmarktperspektiven: Sind in dem Beruf Fachkräfte gesucht?
- Verdienstpotenzial: Bietet die neue Ausbildung bessere Einkommensmöglichkeiten?
- Persönliche Erfüllung: Entspricht die neue Tätigkeit deinen Werten und Interessen?
- Realistische Chancen: Hast du gute Aussichten auf eine Anstellung nach der Ausbildung?
Es lohnt sich auch zu prüfen, ob nicht ein Quereinstieg oder eine Zusatzqualifikation ausreichen würde. Eine zweite Ausbildung kostet Zeit und Geld – beide sollten gut investiert sein.
Finanzierungsmöglichkeiten für die Zweite Ausbildung
Jetzt kommen wir zum Kern: Wie bezahlt man eine zweite Ausbildung? Es gibt mehrere etablierte Finanzierungswege in Deutschland, und wir stellen dir hier die wichtigsten vor.
Meister-BAföG und Aufstiegsfortbildungen
Das Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG), häufig als Meister-BAföG bekannt, ist eine der attraktivsten Optionen für viele Umsteiger. Wir empfehlen diese Förderung besonders, wenn du eine handwerkliche oder kaufmännische Aufstiegsfortbildung anstrebst – etwa zum Meister, Fachwirt oder Techniker.
Die Förderung deckt folgende Leistungen ab:
| Lehrgangskosten | Bis zu 100 % der Kursgebühren (max. 15.000 €) |
| Prüfungsgebühren | Vollständige Übernahme |
| Materialkosten | Teilweise bis 2.300 € |
| Kinderbetreuungskosten | Bis zu 130 € monatlich |
| Darlehenszuschuss | 25 % der übernommenen Kosten sind Zuschuss, 75 % Darlehen |
Wenn du Vollzeit fortgebildet wirst, gibt es auch eine Unterhaltspauschale. Wichtig: Du brauchst eine abgeschlossene Berufsausbildung und meist mehrere Jahre Berufserfahrung.
Fachschüler-Förderung und Landesprogramme
Fachschulen fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer, daher variiert die Förderung erheblich. Wir empfehlen dir, dich bei deiner zuständigen Fachschule und dem Studentenwerk zu erkundigen.
Einige Bundesländer bieten Fachschüler-BAföG an (beispielsweise Bayern, Baden-Württemberg), das wie das klassische BAföG funktioniert. Andere haben spezifische Landesprogramme entwickelt. Wichtig: Bei Fachschulen handelt es sich um Schulen der tertiären Bildung, nicht um Betriebsausbildungen.
Arbeitsagentur und Jobcenter Unterstützung
Die Agentur für Arbeit kann auch bei beruflicher Weiterbildung unterstützen. Hier unterscheiden wir zwei Szenarien:
Bist du arbeitslos oder arbeitssuchend, kann das Jobcenter dir einen Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS) ausstellen. Damit überweist die Agentur für Arbeit deine Ausbildungskosten direkt an den Anbieter. Du musst nicht selbst zahlen.
Bist du noch angestellt, kannst du die Bildungsprämie beantragen. Diese deckt bis zu 50 % der Weiterbildungskosten (max. 500 €) ab. Hier ist allerdings Voraussetzung, dass du erwerbstätig bist und ein bestimmtes Einkommenslimit nicht überschreitest.
Betriebliche Umschulung und Unternehmensfinanzierung
Es gibt noch einen oft übersehenen Weg: die betriebliche Umschulung, die von Unternehmen selbst finanziert wird. Besonders wenn es um handwerkliche oder technische Berufe geht, suchen viele Betriebe aktiv nach Umschülern.
Wir sehen das besonders im Handwerk, der Logistik und dem Pflegesektor: Unternehmen sponsern deine Ausbildung vollständig, weil sie Fachkräfte brauchen. Du bekommst während der Ausbildung ein Gehalt (wenn auch meist unter dem Niveau von Fachkräften) und lernst im echten Arbeitsbetrieb.
Vorteil: Keine Schulden, echte Praxiserfahrung, häufig direkte Übernahme nach der Ausbildung. Nachteil: Du bist vertraglich an den Betrieb gebunden, und die Auswahl ist geografisch und branchenmäßig begrenzt.
Darüber hinaus gibt es für Arbeitgeber Zuschüsse von der Arbeitsagentur, wenn sie einen Umschüler einstellen. Manche Betriebe nutzen diese, um ihre Umschulungskosten teilweise zu decken oder ganz zu finanzieren.
Rechtliche Besonderheiten und Anspruchsvoraussetzungen
Jede Finanzierungsform hat ihre eigenen rechtlichen Anforderungen, die wir dir hier transparent zusammentragen.
Für das Meister-BAföG brauchst du:
- Eine abgeschlossene Berufsausbildung (oder mindestens 400 Stunden Berufserfahrung in verwandtem Bereich)
- Meist 1–2 Jahre Berufserfahrung (je nach Bundesland und Fortbildung)
- Deutsche Staatsbürgerschaft oder EU-Bürgerschaft (mit Nachweis der Erwerbstätigkeit)
Für Fachschüler-BAföG gelten andere Regeln:
Hier ist nicht immer eine vorherige Ausbildung notwendig. Du kannst direkt nach der Schule auf eine Fachschule gehen. Allerdings spielt dein Vermögen und das Einkommen deiner Eltern eine Rolle – Fachschüler-BAföG ist einkommensabhängig.
Arbeitsagentur-Unterstützung setzt voraus:
Dass die Fortbildung arbeitsvermittelbar ist und dass sie als notwendig zur Erhaltung oder Verbesserung deiner Chancen am Arbeitsmarkt gilt. Die Agentur prüft auch, ob ein Träger der Maßnahme zugelassen ist (Zertifizierung nach AZAV).
Ein wichtiger Punkt: In Deutschland hast du kein bedingungsloses Recht auf zweite Ausbildungen. Allerdings gibt es bei der Arbeitsagentur eine Ermessensvorschrift – sie können Maßnahmen bewilligen, müssen es aber nicht. Überzeuge sie mit einem soliden Konzept, warum diese Umschulung sinnvoll ist.
Praktische Tipps zur Umsetzung
Wir haben viele Menschen durch diesen Prozess begleitet. Hier sind unsere erprobten Tipps für eine erfolgreiche Umsetzung:
Schritt 1: Klare Zielsetzung
Dokumentiere, warum du die zweite Ausbildung brauchst. Das ist nicht nur für offizielle Anträge wichtig, sondern hilft auch dir selbst, deine Motivation zu überprüfen. Schreib auf: Was ist dein neuer Berufsziel? Warum passt dein aktueller Beruf nicht? Welche Chancen ergeben sich durch die Umschulung?
Schritt 2: Recherche nach Finanzierungsoptionen
Nicht alle Wege sind für alle geeignet. Erstelle eine Checkliste:
- Erfüllst du die Voraussetzungen für Meister-BAföG?
- Kannst du mit der Agentur für Arbeit sprechen (als Arbeitsloser oder mit AVGS)?
- Gibt es Betriebe in deiner Region, die Umschüler suchen?
- Welche Förderprogramme hat dein Bundesland?
Schritt 3: Anträge und Fristen beachten
Förderstellen arbeiten mit Fristen. Die Agentur für Arbeit verlangt oft 4 Wochen Vorlauf für einen Gutschein. BAföG-Anträge müssen vor Kursbeginn eingereicht werden. Plane mindestens 2–3 Monate Vorlauf ein.
Schritt 4: Finanzielle Puffern aufbauen
Selbst wenn die Ausbildung großteils finanziert wird, können Lücken entstehen. Schulungsmaterialien, Fahrtkosten, Prüfungsgebühren – vieles ist nicht überall abgedeckt. Versuche, ein kleines finanzielles Polster aufzubauen.
Schritt 5: Mit dem Arbeitgeber klären
Wenn du noch angestellt bist, sprich mit deinem Arbeitgeber. Es gibt Szenarien, in denen die Ausbildung in Vollzeit läuft und du kündigen musst. Es gibt aber auch Optionen, Aus- oder Weiterbildung parallel zur Anstellung zu machen. Manche Arbeitgeber unterstützen auch finanziell oder geben Freizeit.